Montag, 20. April 2009

Sozial? Voll uncool!!1

Von meinem guten Freund Marvin las ich auf der Homepage meiner ehemaligen Tanzschule, der Tanzschule Swing aus Göttingen, einen sehr guten Text. Da ich diesem uneingeschränkt zustimme bat ich ihn den Text veröffentlichen zu dürfen, welchem er sofort zustimmte, unter der Bedingung, dass ich den Titel gleich lassen würde - Na gut. Meiner Anfrage, ob er Co-Autor des Blogs werden wolle, hat er nicht zugestimmt, aber ich werd nicht locker lassen ;) Here we go:

"Die letzte Klausur ist geschrieben. Nie wieder Schule! Bier wird getrunken, es wird gefeiert und man bekommt sein letztes Zeugnis. Doch was nun?

Viele entscheiden sich für das erst mögliche: `süßes nichts-tun`. Sicher auch keine schlechte Entscheidung, da man vor dem Abitur schon etwas lernen muss und die Zeit auch stressig seinen kann. Jedoch, und man will es nicht glauben, das durchgehende ausruhen wird sehr schnell langweilig und man sehnt sich nach der nächsten Beschäftigung, da der Mensch dazu veranlagt ist nützlich seinen zu wollen bzw. etwas zu tun um sich zu beschäftigen.
Und hier kommt eine weitreichende Entscheidung auf einen zu. Die Frage nach: Ausbildung? Universität? Soziales Jahr? Work and Travel? Und die vielen anderen Möglichkeiten die es da noch gibt.

Viele sagen „Ich fange sofort an mit dem Studium/Ausbildung, da ich dann schneller im Berufsleben bin!“. Sicher nicht unbedingt ein falscher Schluss. Immerhin sagte ein Vertreter der freien Wirtschaft auf dem Elterntag der Universität Osnabrück (nicht 100% Wortlaut) „Wir müssen unsere Kinder schneller ausbilden und in die Arbeitswelt integrieren.... Außerdem brauchen unsere Kinder auch Zeit zur Reflexion während ihres Studiums...“ Abgehoben auf die Ebene der Prädikatenlogik steht hier kurz: q AND NOT q (leider werden die nötigen Operatoren nicht unterstützt). Dies wird in der Logik als Contradiction bezeichnet → ein Widerspruch. Und dies ist es meiner Meinung nach auch vollkommen. Das Studenten Zeit zur Reflexion brauchen ist sehr wichtig. Leider lässt und sollte sich das nicht mit einem beschleunigten Studium verbinden. Jedoch wird das von Politik und Wirtschaft anders gesehen, was uns den Bachelor gebracht hat. Nur wo bleibt nun die Zeit des Individuums um zu überlegen ob es die richtige Entscheidung getroffen hat? Ganz klar: Vor oder Nach dem Studium. Deswegen möchte ich an alle appellieren, die bald in dieser Situation seinen könnten, ihre Entscheidung über den zukünftigen Studiengang genau abzuwägen!
Den es gibt mehr und meiner bescheidenen Meinung nach wesentlich wichtigere Erfahrungen noch VOR dem Studium zu machen. Ich spreche hier vom immer schlecht bezahlten sozialen Jahr oder auch FSJ genannt(bzw. Zivildienst, wobei dieser gut bezahlt wird). Es gibt einem noch einmal die Möglichkeit über seine Studienentscheidung nachzudenken aber noch viel wichtiger lernt es einen seine Vorstellung von Arbeit, Sozialkompetenz, Leistungsrelevanz und `das eigene ich` neu zu definieren.

(das nun folgende bezieht sich nur auf Arbeit in einer sozialen Einrichtung und basiert auf meinen eigens gemachten Erfahrungen)
Man wird vermutlich zum ersten Mal in seinem Leben mit soviel Verantwortung konfrontiert, dass sie einem manchmal sogar zu viel erscheint. Man lernt einen Teil des deutschen Sozialsystems kennen, der einem vorher vermutlich noch nicht so bekannt war und sieht die Abgründe genau dieses Systems. Und man lernt Situationen kennen die einem vorher unbekannt waren und die mancher wohl auch als widerlich bezeichnen würde. Und was kriegt man dafür zurück? Viel Freude, Dankbarkeit und Selbsterkenntnis!
Man geht von der Arbeit nach Hause mit dem Gefühl etwas sinnvolles und gutes getan zu haben!
Und stellt im Nachhinein fest, was einem dieses eine Jahr ohne Studium, ohne Leistung und vor allem ohne Egoismus gebracht hat: unbekannte Situationen sind leichter zu bewältigen, Klausurdruck ist unbekannter, da man weiß wie unbedeutend dieser eigentlich ist, wenn man Freunde und ein zufriedenstellendes Leben hat und man ist realistischer. Den das Studium ist nicht immer das, was einem Eltern gerne erzählen. Vielmehr ist es ein Wettkampf: Schneller, Weiter, Besser!

Das beginnt bereits beim WG-Casting: 20-50 Bewerber werden begutachtet und nach StudiVZseiten, einem 10 Minuten Gespräch und einem Kärtchen, wo man seine Interessen, Bedürfnisse und hoffentlich „nicht-laster“/Putzlust niederschreiben kann, begutachtet. Hier findet man wirklich den Mann fürs Leben!...äh Mitbewohner meinte ich. Das viele WG`s sich schon nach dem 10ten Bewerber nicht mehr merken können wer wer ist (obwohl sogar ein Foto jedes Bewerbers vorhanden ist) lassen wir hier mal außer acht.

Wenn dann die Wohnungssuche erfolgreich beendet wurde geht es richtig los: Die erste Vorlesung, die erste Literaturliste und SCHWUPS sieht man viele seiner Mitstudenten mit einem Bücherhaufen im Arm rumrennen, welche sie sich als sekundär Literatur ausgeliehen haben, wovon sie aber am Ende des Semesters fast alle unbenutzt zurückgeben. Aber es zählt ja bekanntlich: Was ich habe kriegst du nicht! (vielleicht nicht in diesem bestimmten Wortlaut jedoch aber im Sinn ein geflügeltes Wort (vor allem unter Juristen, wie ich gehört habe)). Diese Floskel bezieht sich jedoch nicht nur auf Bücher sondern auch auf Seminartermine, Präsentationsthemen und vieles mehr.

Ich denke mir hier immer: „In der Ruhe liegt die Kraft.“ Den das Studium soll eine Zeit der neuen Erfahrungen sein und nicht die Zeit des florierenden Egoismus. Dieser bringt einem nämlich leider später überhaupt nichts. Außer vielleicht einen Porsche in der Auffahrt und 4 Häuser wovon jedoch 3 ½ nur Objekte der Gier nach Anerkennung sind. Leute die dieses bewusst Anstreben: Ihr habt den `Sinn des Lebens` echt nicht kapiert. Weniger ist doch manchmal mehr! Zufriedenheit erlangt man mit zwischenmenschlichen Beziehungen, die jedoch nicht mit Egoismus geknüpft werden können. Das Bestreben eines Menschen liegt nun mal in der Gruppe, was das Bestreben nach menschlicher Beziehung voraussetzt und nicht das Streben nach Objekten.

Natürlich finden sich auch die Leute mit objektorientierten Interessen in bestimmten Menschengruppen wieder jedoch will ich auf diese `Oberschicht` hier nicht eingehen.

Um einen Schlussstrich zu einem Thema zu ziehen über das sich noch viel schreiben ließe: Ein soziales Jahr verlangsamt einen vielleicht im Wettkampf um DEN Job. Jedoch öffnet es einem die Augen für die Dinge im Leben, die im großen und ganzen nachher wirklich zählen!

Mit diesen folgenden Worten will ich mich nun von der `literarischen` Bühne verabschieden und hoffe auf ein wenig Feedback bezüglich dieses Themas:

„Spread your wings and fly away
Fly away far away
Spread your little wings and fly away
Fly away far away
Pull yourself together
`Cos you know you should do better
That`s because you`re a free man„
(„Spread your wings and fly away“ by Queen)"



Jegliche Lobpreisungen werde ich natürlich direkt an ihn weiterleiten - Ich persönlich hab dem einfach nichts mehr hinzu zu fügen!

Keine Kommentare: